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HORTUS Fact #3 – Made on Main Campus

 

Die Lehm-Holz-Decke & die Feldfabrik

Obwohl Lehm und Holz zu den ältesten Baustoffen der Menschheit zählen, spielte Lehm lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle im Bauwesen. Entsprechend wenig entwickelt sind industrielle Verfahren zur Herstellung von Lehmelementen. Für das HORTUS-Projekt war es daher nötig, ein Produktionsverfahren zu entwickeln, das sowohl ressourcenschonend als auch effizient ist und gleichzeitig einen passenden Standort zu finden. Um die Emissionen durch den Transport von Lehm und Holz für die Deckenelemente zu minimieren, entschied man sich schliesslich, eine innovative Feldfabrik direkt neben der Baustelle zu errichten.

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Die Feldfabrik bestand aus fünf Zelten: einem Mischzelt, einem Produktionszelt, einem Lagerzelt und zwei Pufferzelten. Die Holzbauspezialisten von Blumer Lehmann entwickelten gemeinsam mit den österreichischen Lehmbau-Experten von Lehm Ton Erde die gesamte Feldfabrik in nur drei Monaten. Für die Logistik der Stampflehm-Mischung wurde eine spezielle Maschine eigens angefertigt. Die Stampfstationen wurden speziell dafür konzipiert, die vorgefertigten Holzelemente so effizient wie möglich mit Stampflehm zu füllen. Das Team der Feldfabrik bestand insgesamt aus zehn Personen.

 

Manuelle Prozesse: Da die Feldfabrik von Grund auf neu entwickelt wurde, konnten nicht alle Arbeitsschritte automatisiert werden. Der Fokus lag auf der Materiallogistik, da täglich fast 30 Tonnen Stampflehm-Mischung in die vorgefertigten Holzelemente eingebracht werden mussten. Verschiedene Maschinen erleichterten zwar das Verdichten und Stampfen, dennoch war für viele Arbeitsschritte – vom Aushub bis zum vollständig gestampften Element – viel Handarbeit erforderlich. Insgesamt stammten 75 % des Lehms vom Bauplatz selbst, der Rest wurde als Mergel lokal bezogen.

 

Jedes der über 800 Deckenelemente wiegt 3,5 Tonnen. Alle sind als vollständig demontierbare Module konzipiert und werden mechanisch statt mit Klebstoff verbunden. So können sie am Ende ihrer Lebensdauer abgebaut, wiederverwendet oder recycelt werden. Die Stampflehmfüllung verbessert die akustische Qualität, reguliert die Luftfeuchtigkeit und erhöht den Brandschutz. Dieser zirkuläre, hyperlokale Ansatz in der Bauweise verwischt die Grenzen zwischen Produktion und Konstruktion und setzt einen neuen Maßstab dafür, wie Architektur die Herstellung direkt in den Bauprozess integrieren kann – mit weniger Abfall, geringeren Kosten und reduziertem Umwelteinfluss, bei gleichzeitig höherer handwerklicher Qualität.

Weitere Informationen finden Sie hier:  Zu Besuch in der Feldfabrik des HORTUS

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