Hochpreisinsel Schweiz? Warum das ein Mythos ist
10.08.2026, SENN
Die Rechnung geht auf
Wer einen Life-Science-Standort nur nach Quadratmeterpreis und Bruttolohn beurteilt, rechnet zu kurz. Auf dem SIP Main Campus in Allschwil zeigt sich exemplarisch, weshalb die Basel Area finanziell attraktiver sein kann als ihre grössten Konkurrenten.
Die Frage kommt in fast jedem Standortgespräch: «Ist die Schweiz nicht einfach zu teuer?» Der Reflex ist verständlich, denn Löhne und Lebenshaltungskosten liegen hierzulande unbestritten über dem europäischen Durchschnitt.
Nur greift die Frage zu kurz. Entscheidend ist die langfristige Kosten-Ertragsrechnung und wie viel Wertschöpfung wichtige Standortvorteile generieren. Die Rechnung für Unternehmen wie SKAN, Johnson & Johnson und Basilea auf dem Switzerland Innovation Park Basel Area Main Campus scheint jedenfalls aufzugehen. Das haben die vergangenen Jahre bewiesen.

Tiefe Steuern – insbesondere für forschende Unternehmen
Der Kanton Baselland fördert Unternehmen aktiv. Er hat seinen Gewinnsteuersatz in den letzten Jahren auf 13.45 Prozent gesenkt. Unternehmen, die in der Forschung tätig sind, profitieren zusätzlich von der Patentbox. Erträge aus Patenten werden mit 90 Prozent entlastet. Dazu kommt ein Abzug für Forschung und Entwicklung von 20 Prozent. Wer hier forscht, senkt seine Steuerbasis dort, wo der Mehrwert entsteht.
Personalkosten: hohe Löhne, tiefe Nebenkosten
Schweizer Löhne sind hoch. Die Lohnnebenkosten sind es nicht. Arbeitgeberbeiträge liegen typischerweise bei 10 bis 18 Prozent des Bruttolohns – in Deutschland bei 20 bis 23, in Frankreich bei 25 bis 45 Prozent. Und die Krankenversicherung tragen die Arbeitnehmenden selbst; sie belastet die Lohnnebenkosten nicht. Für internationale Unternehmen entfällt damit ein Kostenblock, der jährlich wächst und sich nicht steuern lässt.
Retention als Standortvorteil
Ein grosser Kostentreiber für spezialisierte Unternehmen ist die Fluktuation. Eine erfahrene Wissenschaftlerin zu ersetzen, kann ein bis zwei Jahresgehälter kosten. Und in den Life-Science-Clustern sitzt der nächste Arbeitgeber nur zwei Strassen weiter.
In Basel verweilen die Talente aber gerne bei ihrem Arbeitgeber. Sie wechseln bis zu viermal seltener den Job als in Boston. Grund dafür ist unter anderem die hohe Lebensqualität. Basel bietet kurze Wege, Nähe zur Natur, ein kulturelles Angebot, eine internationale Community und exzellente Schulen. Eine Stadt, in der es sich mit der ganzen Familie richtig gut leben lässt. Wer hier ein Team aufbaut, kann in der Regel also langfristig planen. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt viel liberaler gestaltet als in den Nachbarländern.
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