Der Wohnhof als Tummelfeld für Klein und Gross

Leben in der Wohnüberbauung Hohl-/Freihofstrasse

Altstetten verändert sich wie kein anderer Stadtteil in Zürich. Damit aus der Verdichtung kein Dichtestress wird, braucht es umsichtige Planung und den Einbezug der Quartierbewohner:innen. Bei der Wohnüberbauung Hohl-/Freihofstrasse stand ein für den Ort charakteristischer Wohnhof im Zentrum der Entwicklung. Mittels eines durchgehend bebauten Rands sollte zudem der Strassenlärm eingedämmt werden. Ein Besuch in zwei Wohnungen offenbart, dass der offene Hof seine Wirkung nicht verfehlt hat. Generell sind die heutigen Bewohner:innen sehr zufrieden mit ihrem Zuhause.

Funktionalität und Wirkung eines Gebäudes lassen sich bekanntlich erst beurteilen, wenn es von Menschen belebt wird. Gut zwei Jahre nach dem Bezug des von Adrian Streich Architekten entworfenen Wohngebäudes Hohl-/Freihofstrasse durften wir eine 3,5-Zimmer-Wohnung und eine 5,5-Zimmer-Wohnung besuchen. Die dabei entstandene Fotostrecke gibt intime und gleichzeitig vertraute Einblicke in die Neuüberbauung. Das Gespräch mit den Bewohner:innen – eine angehende und eine vierköpfige Familie – vermittelt Einblicke, wie es sich inmitten von Altstetten lebt.

Wie wohnt und lebt es sich in der Wohnüberbauung Hohl- und Freihofstrasse?

Bewohner:innen 3,5-Zimmer-Whg: Es lebt sich sehr gut hier, die Überbauung bietet grosszügige Wohnungen und eine angenehme Nachbarschaft. Es wohnen hier viele jüngere Familien. Insofern gibt es ähnliche Lebensphasen bei den Bewohner:innen, und auch viele Berührungspunkte.

Bewohnerin 5.5-Zimmer-Whg: Es lebt sich sehr gut hier – meine Familie und ich empfinden es als Glück, so in der Stadt wohnen zu können.

Welche Bedeutung hat der grosse, nach Westen offene Wohnhof für euch?

Für uns ist es das Herz der Anlage, das scheint auch der Fall zu sein für viele Familien und die Kinder. Im Sommer ist im Wohnhof richtig viel los. Vor kurzem wurde der Spielplatz erweitert, jetzt ist der halbe Hof ein Tummelfeld für die Kinder und wird sehr rege genutzt.

Für uns als Familie mit zwei Kindern hat der Wohnhof eine zentrale Bedeutung.

Wie nehmt ihr den Aussenraum entlang der Hohl- und Freihofstrasse wahr?

Es ist alles gut gepflegt und schön gemacht. Unserer Meinung nach ist der Aussennraum sehr schön gelöst. Auch der Ausblick ist eindrücklich. Wir sehen, wenn das Wetter kommt, und die schrägen Fenster bieten zusätzliche Bezüge. Hier gibt es immer etwas zu sehen. Andererseits nimmt man die Stadt schon auch wahr. Das muss man mögen, denn es handelt sich nicht wirklich um eine ruhige Wohngegend.

Wir geniessen den Blick auf den Aussenraum und in den Wohnhof. Im kleinen Vorgarten an der Freihofstrasse gehe ich ab und zu Kräuter wie Rosmarin oder Thymian holen. Bei uns vor dem Haus – quasi die Südfassade – gibt es auch Erdbeeren.

Gibt es Orte oder Anlässe, die den Austausch mit der Nachbarschaft und Gemeinschaftliches fördern?

Einmal im Jahr gibt es ein Siedlungsfest im Wohnhof, das von der Siedlungskommission – auch SIKO genannt – organisiert wird. Auch durch das Jahr bietet die SIKO einige Aktivitäten an, zum Beispiel Kinderschminken oder Kinderbasteln. Im Dezember wird ein Weihnachtsbaum aufgestellt, den die Kinder schmücken dürfen. Es ist schön zu sehen, dass auch andere Kinder hier spielen kommen und der offene Wohnhof seinen Zweck erfüllt.

Durch den Wohnhof haben wir regen Kontakt mit den Eltern. Auch das Siedlungsfest im Sommer schätzen wir sehr im Sinne der Stärkung der Gemeinschaft.

Ihr wohnt seit 2021 hier – wie hat sich das Quartier seither verändert bzw. wie verändert es sich?

Auf der sichtbaren Ebene ist hier viel passiert: neue Wohntürme, Tempo 30 an der Baslerstrasse, ein neues Restaurant und ein neues Café um die Ecke. Auch die SBB-Werkhallen haben sich stark verändert.

Das Quartier ist immer noch in Veränderung begriffen. Am spürbarsten für uns war die Beruhigung der Baslerstrasse.

Was sonst macht das Wohnen hier für euch besonders?

Wir haben noch in keiner Überbauung gewohnt, wo der Kontakt mit der Nachbarschaft so rege war. Man tauscht sich aus oder giesst auch mal die Blumen, wenn Ferienzeit ist. Zumindest ist das der Fall mit den Nachbarn um uns herum. Erfreulich ist auch, dass es verschiedene Chatgruppen in der Siedlung gibt.

Für uns ist es ganz klar der Hof, wo wir uns auch in der kälteren Jahreszeit regelmässig aufhalten. Auch der Kindergarten in der Siedlung ist ein Plus für uns als Familie.

Gibt es Aspekte der Wohnüberbauung, die ihr verändern oder optimieren würdet?

Was cool wäre und wir von anderen Genossenschaften kennen, wäre ein Gästezimmer, das nach Bedarf reserviert werden kann.

Für uns ist alles in Ordnung, so wie es ist.

 

2021 hat die Baugenossenschaft Röntgenhof an der Freihofstrasse/Hohlstrasse ihre Häuser aus dem 1930er- und 1950er-Jahren durch einen Ersatzneubau ersetzt. 173 Wohnungen und einen städtischen Kindergarten bietet die neue Überbauung. Gesucht war ein Gebäude, das den sozialpolitischen Auftrag der Baugenossenschaft erfüllt und preiswerte, vielfältig nutzbare Wohnungen mit einem attraktiven, gemeinschaftsfördernden Umfeld zur Verfügung stellt. SENN gewann – zusammen mit Adrian Streich Architekten, Zürich, den Gesamtleistungswettbewerb und realisierte 2018 das Projekt.

Weiterführende Links:

Freihofstrasse, Zürich
Zürich-Altstetten wandelt sich weiter